Bahnhofsareal Ludwigsburg

Städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb 2016

Projektdaten


Auslober: Stadt Ludwigsburg

Gesamtgebiet: ca. 10,6 ha

Entwurf: Kyoung Hee Jeon, Mareike Leins, Nicolas Pollich, Thomas Hirsch und Ulrich Neumann
Freianlagen: Cornelia Franke und Tim Kleinheins
Verkehrskonzept: Ingenieurbüro Fritz Spieth Beratende Ingenieure GmbH

Modell: Laura Fetzer, Nicolas Reber und Tim Kleinheins

Beschreibung


Das Bahnhofsareal Ludwigsburg befindet sich an der wichtigen und sensiblen Nahtstelle zwischen der Innenstadt und der Weststadt. Als Bindeglied für die Weststadt und Entree für die Innenstadt nimmt dieser Bereich eine wesentliche städtebauliche Funktion ein. Mit dem Bahnhof und dem ZOB sind dort bedeutende Verkehrsknoten angesiedelt. Ziel des Entwurfs ist es, die vorhandenen Nutzungsüberlagerungen aus den unterschiedlichen Verkehrsströmen auf dem Bahnhofsareal Ludwigsburg zu strukturieren und räumliche Orientierung zu schaffen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Entwurfs ist die Belebung der Naherholung in einer urbanen Umgebung mit grünen Aspekten. Um die vorhandenen Nutzungsüberlagerung zu entflechten wird eine neue Ebene geschaffen, die in Form eines großen, grünen, begeh- und erlebbaren Daches über den Gleisen und dem ZOB schwebt. Der Entwurf schafft eine adäquate Verbindung der bislang getrennten Innenstadt und der Weststadt, entflechtet die Verkehrsströme auf unterschiedlichen Ebenen und stellt nicht zuletzt eine unverwechselbare Skulptur im Stadtgefüge dar.


Ziel des städtebaulichen Konzeptes ist es bewährte Strukturen aufzugreifen und die Potentiale der unterschiedlichen Teilgebiete herauszuarbeiten. Dabei dient das neue Gründach über den Gleisanlagen als verbindendes Element der einzelnen Teilgebiete, so dass trotz der räumlichen Trennung durch die Gleise die Verknüpfung zu allen Gebieten gegeben ist. Zusätzlich bildet jedes Quartier einen Schwerpunkt aus.

Das Herzstück der städtebaulichen Weiterentwicklung bildet das westlich der Bahngleise liegende neue Nestlé-Caro-Areal. Das Areal mit seinen historischen und schützenswerten Industrie- und Gewerbebauten wird durch einen langgestreckten Baukörper ergänzt. So entsteht ein neuer Innenhof, der durch Gastronomie und Events lebendig und attraktiv wird. Verschiedene Anschlüsse an das Areal ermöglichen den Besuchern über das Gründach direkt ins Areal zu gelangen.

Für das bestehende Bahnhofsgebäude wird ein Neubau in Kombination mit einem neuen Fahrradparkhaus vorgeschlagen, wodurch ein Bahnhofsvorplatz mit korrespondierenden Raumkanten und zeitgemäßen Nutzungs- und Gestaltungspotentialen entstehen kann.

In seiner exponierten Lage südlich des Bahnhofareals bietet das Kepler-Dreieck eine repräsentative Lage für Büroflächen, junge Unternehmen sowie Studentenwohnen. Der neue, markante Hochpunkt im südlichen Bereich des Dreieck bildet ein Ensemble mit dem nördlich liegenden mhplus-Hochhaus. Zur Keplerstraße hin sorgen riegelförmige Gebäude für Lärmschutz im Innenbereich.

Verkehrskonzept

Der neue Busbahnhof parallel zu der Gleisanlage, wird mit nebeneinander angeordneten Haltestellenpositionen in Linienaufstellung für ein unabhängiges Ein- bzw. Ausfahren geplant, um die Verkehrssicherheit sowie die Aufenthaltsqualität durch mehr Bewegungsfläche für Fußgänger zu verbessern und geringe Verkehrszeiten im ÖPNV zu erreichen. Dabei werden die Verkehrsströme im Einrichtungsverkehr um die Mittelinsel gelenkt, sodass für die Wartebereiche breite Seitenflächen zur Verfügung stehen. Die Bahnhofsvorzone wird als Platzfläche ohne den motorisierten Individualverkehr gestaltet. Die Verkehrsströme des MIV werden über das bestehende Straßennetz umgelenkt. Es sind lediglich Busse, Taxis und Anliegerverkehr auf dem Vorplatz zugelassen. Durch die Verkehrsreduzierung und die großen freiwerdenden Seitenbereiche der Platzfläche wird die Aufenthaltsqualität für Fußgänger deutlich erhöht. Eine Erweiterung der geplanten Stadtbahntrasse kann in die Platzfläche integriert werden.



Für Ludwigsburg entsteht über der Gleisanlage ein vielfältig nutzbarer Stadtbalkon, der als Bindeglied über die trennenden Gleisanlagen hinweg die Innenstadt mit der Weststadt verbindet, die geplante Seilbahn anbindet und für Ludwigsburg einen innovativen Park in luftiger Höhe als neues Freiraumelement schafft. Neben dem Grün- und Aufenthaltsraum für die Menschen entsteht gleichzeitig Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Kleinstlebewesen. Thematisch wird die Linearität der Gleisanlage durch unterschiedliche Belags- und Pflanzenstrukturen aufgegriffen. Es entstehen Flächen mit Blumenrasen, sowie Pflanzflächen mit standortgerechten Stauden, Gräsern und Bäumen. Dadurch wird das städtische Kleinklima positiv beeinflusst. Sitzpodeste mit

unterschiedlichen Höhenausformungen laden zum Sitzen, Liegen und Lehnen ein und über die offenen Bereiche im grünen Dach werden begeh- und bespielbare Netze gespannt, die eine neuartige Wahrnehmung ermöglichen. Die Dichte der Dachstruktur nimmt Richtung ZOB stetig ab, wo sie nur noch einen Wetterschutz darstellt. Dem neuen Bahnhofsgelände vorgelagert, entsteht ein Bahnhofsvorplatz, auf dem die Fußgänger Vorrang haben. Der Platz führt die Linearität der Gleisanlage und des grünen Daches in seinem Belag fort und wird barrierefrei ausgebildet. In Verlängerung der Myliusstraße wird durch eine markante, in Teilen als Sitzstufen ausgeformte Treppenanlage, eine Verbindung zwischen dem Bahnhofsvorplatz und dem grünen Dach hergestellt.